Ostanatolien

Viel zu schnell ist unser Skiurlaub vorbei und wir rollen weiter nach Osten, der iranischen Grenze entgegen. Vor uns liegt eine riesige Hochebene, die wir durchqueren müssen. Der strahlend blaue Himmel und dazu die, in weiße Watte getauchte, Gebirgslandschaft um uns herum sorgen für kurze Weile auf dem ansonsten monoton geradlinigen Highway.

 

Gegen Abend sehen wir eine Wasserquelle und halten zum Auffüllen unserer Tanks an. Eigentlich nichts Besonderes in der Türkei, denn überall gibt es hier solch öffentliche Wasserquellen. Allerdings sind, hier oben, die meisten Quellen, wir sind immerhin auf rund 2.000 Meter ü.N., eingefroren. Ein rüstiger Rentner freut sich über Besuch und lädt uns zum Tee ein. Wir sitzen in seinem „Büro“, einem alten Container, der an diversen Stellen notdürftig geflickt ist, so dass es zumindest von oben trocken und weitgehend winddicht ist. Der Böllerofen in der Mitte des Raumes, wir reden hier von vielleicht 2,5 auf 3 Meter, strahlt nicht nur eine angenehme Wärme aus, er dient auch gleichzeitig als Kochfeld für den Tee. Zwar läuft die Kommunikation nicht ganz so rund: Er kann kein Englisch und unser Türkisch ist noch ausbaufähig, so finden wir dennoch heraus, dass er früher LKW- Fahrer und viel in Europa unterwegs war. Am liebsten jedoch in Deutschland. Jetzt ist er wieder in seiner Heimat und verdient sich sein Geld mit dem Waschen von Autos hier an der Quelle.

 

Die Zeit drängt, denn wir wollen vor dem Dunkel werden, einen Stellplatz für die Nacht, gefunden haben. Am Rand des nächsten Dorfes werden wir, gerade noch rechtzeitig fündig- wie immer mit 5- Sterne Aussicht. Weniger schön ist die Aussicht, die uns das Außenthermometer liefert: -14°C und dass bereits jetzt, am frühen Abend. Besonders beeindruckt bin ich davon nicht, denn unser Aufbau, ein ISO- Seecontainer ist für hohe Temperaturdifferenzen ausgelegt, wenn auch in seinem früheren Leben es wohl eher im Inneren kalt und draußen warm war. Die Fußbodenheizung hat den Boden bereits angenehm angewärmt und wenn alle Stricke reißen, dann können wir immer noch die zweite Heizung einschalten. Um 22:30Uhr steigen wir bei -20°C in die Koje und schlummern ein.

 

Am nächsten Morgen, die Sonne steht schon wieder am Himmel, staunen wir nicht schlecht: -23°C sagt der Außenfühler untereres Thermometers. Dies ist mit Abstand die kälteste Nacht, die wir bisher hatten.

 

Beim Frühstück frage ich mich noch, welche Temperaturen unser Diesel wohl verträgt, ehe er ausflockt/ gefriert? Zumal wir noch immer den günstigen Diesel aus der Ukraine im Tank haben. In Trabzon, bei -7°C hatten wir keine Probleme, also wird es jetzt auch klappen. Der Rest des Morgens ist Routine: Nach dem Frühstück macht Elli im Haus klar Schiff und ich kümmere mich um den Truck. So können wir schnell zu unserer letzten Etappe, vor der iranischen Grenze, zum Ishak -Pasa Palast, starten.

 

Gut gelaunt drehe ich den Schlüssel herum und drücke den Startknopf. Der Motor dreht und dreht und dreht…. nur anspringen mag er nicht………. Gut, dass das deutsche Militär auch hierfür eine Lösung hat: Eine 21KW Warmluftheizung soll den Motor erst einmal auf Temperatur bringen, dann wird er auch anspringen, da bin ich mir sicher. Noch immer gut gelaunt, wenn auch mit eiskalten Händen, schließe ich die Heizung an und starte. Außer einem Qualmwölkchen gibt die Heizung jedoch nicht viel Wärme ab. Ein Blick in den Tank verrät mir nun endgültig: Der Diesel ist zäh wie Honig.

 

OK, wir haben ein Dach über dem Kopf und unsere Standheizungen funktionieren tadellos, also kein Grund für Panik. Zum Starten des Motors muss es zunächst einmal wärmer werden, zumindest der Motor, oder alternativ brauchen wir frischen Diesel. Auf Diesel schleppen habe ich keine Lust, zumal wir mit 5 Litern bei unserer NaschKATze erst gar nicht anfangen brauchen, also: Motor erwärmen! Die Sonne scheint, prima: Ich mache die Luken zum Motor auf und lass die Sonne direkt auf den riesigen Stahlklotz strahlen.

Unser Plan geht auf: Nach rund zwei Stunden springt der Motor an. Es geht einfach nichts über so einen robusten Deutzmotor. Der bekommt selbst diese zähflüssige Melasse noch angesaugt. Zugegeben, wir rollen die ersten 4- 500 Meter im Schritttempo, mehr geht nicht, aber dass ist jetzt alles nur eine Frage der Zeit. Etwa 1000 Meter weiter liegt eine KFZ- Werkstadt direkt an der Straße und mehrere LKW’s stehen davor. Perfekt, denke ich und frage nach, ob es hier irgendwo Diesel gibt. Der ölverschmierte Mechaniker grinst mich an und führt mich in die hinterste Ecke der Werkstatt, wo er zwei Kanister, a 20 Liter, mit wohl temperiertem Sprit hervor zieht. Über den Preis werden wir uns sofort einig, für türkische Verhältnisse ein absolutes Schnäppchen. Wir sind da wohl zufällig beim Umschlagplatz für iranischen Diesel abgestiegen.

 

Alles in allem also ein gelungener Morgen und wir rauschen nun, mit schnurrender Heizung, weiter über den Highway.

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