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Unvermittelbar

Ich hab die Ukraine gesehen, die Türkei durchquert, bin nun wieder aus dem Iran ausgereist und keiner wollte mich haben!

Wer hat mich in die Kuscheltierspendenbox, von Station Däumling, reingelegt? Ich bin leider unvermittelbar und möchte wieder abgeholt werden!

 

Euer Playgirl

40 Tage Iran

Aus der Stille schrecke ich hoch. Der Muezzin ruft gerade zum Gebet. Der Muezzin? Moment, verschlafen reibe ich mir die Augen und schaue mich um, doch es ist zwecklos. Wo – bin – ich? Was ist passiert?

Gerade noch stand ich auf dem Gipfel des Ararat. Ich war von vollkommener Stille eingehüllt. Nur unterbrochen von dem zischen der eiskalten Luft, die rhythmisch von meiner Lunge eingesaugt wurde. Es war so ruhig- so friedlich- so leicht….

 

Ich richte mich auf, finde mich im Bett unserer KATze wieder und mein Atem zischt leicht, als ich die frische Morgenluft einatme. Der Norden Irans hat uns wieder und mit ihm die Kälte. Gedankenfetzen schießen mir durch den Kopf: Dass war es also- 40 Tage Iran:

 

Hello Karsten, Welcome to Iran! You are one hour to late“ schmettert mir ein älterer Herr mit verwusseltem weißen Haar entgegen. Es ist Hossain, der uns an er Türkisch- Iranischen Grenze bei der Einreise hilft, vor allem beim besorgen des Carnet, was wir für den Iran benötigen.

 

Autos fahren wie sie wollen: Mal rechts, mal links. Geblinkt wird grundsätzlich nicht, dafür wird von der Hupe rege Gebrauch gemacht. Menschen laufen kreuz und quer zwischen den fahrenden Autos hindurch. All dies ein heilloses Chaos, dass keinen klaren Gesetzmäßigkeiten folgt- wie auch immer, mir macht‘ s Spass!

 

Die Millionenmetropole Teheran, wo das Leben niemals schläft. Taxifahrer müssen nach dem Weg fragen, denn wie um Himmels Willen, soll sich ein Mensch denn all die Straßennamen merken können?

 

Riesige Wüstenregionen, in denen außer Staub und Stein vor allem eines anzutreffen ist: Nichts. Es nähert sich eine Staubwolke am Horizont und später gesellt sich ein quietschen und knarren, gepaart mit dem Motorengeräusch des blauen Lieferwagens, dazu. Ein letztes mal verschwindet er in einer Mulde zwischen Geröllfeldern ehe sein Motor verstummt. Näher kann der Fahrer sein Gefährt nicht an uns heran steuern und so laufen sie zu zweit die letzten 500 Meter zu uns herüber, während der Dritte am Fahrzeug bleibt um es, hier in der Einöde, zu bewachen. Als sich, später dann, dass blaue Vehikel wieder entfernt, sind wir um eine Einladung zum Essen reicher und die Ruhe setzt sich in der Ebene fort.

 

Wie Inseln tauchen Städte am Horizont auf. Die Stille weicht einem Ohrenbetäubendem Lärm, gemischt aus hupenden Autos und Motorengeräuschen. Die Stadt nimmt uns in sich auf. Mann schwimmt mit, im Strom des Verkehrs, in den Menschenmassen die sich durch die engen, unzähligen Gassen des Basars zwängen. Freundliche, neugierige Gesichter ziehen an uns vorbei. Hier und da ein „Welcome to Iran. May I help you?“

 

Jede Stadt erzählt Geschichten von tausenden von Jahren:

Qom mit seinem Heiligtum, dem Grab von Fatimeh Masumeh, der Tochter des 7. geistigen Führers (Imam). Sie ist auf Reisen erkrankt und hier gestorben. Die richtige Abstammung zu haben kann sich also auszahlen, ist sie doch, neben Mashhad, nun der wichtigste Pilgerort im Iran.

 

Kashan- Einst eine wichtige Stadt entlang der Seidenstrasse. Eingeschlossen von unscheinbaren Lehmwänden stehen sie noch heute da: Die palastartigen Häuser der Kaufmannsleute von einst.

 

 

Tapas- eine Wüstenoase mit ihrer wunderschönen Gartenanlage umgeben von Geröll und Sand. Selbst im tiefen Winter ist es hier noch angenehm warm.

 

 

 

Isfahan- Die Hauptstadt des Tourismus, und dies nicht ohne Grund: Der Imam-Platz beeindruckt jedermann gleichermaßen und lädt zum verweilen ein. Viele einheimische sitzen auf den parkähnlichen Grünflächen und machen Picknick.

 

 

Shiraz- Die Stadt der Dichter und des Bazars. Stundenlang laufen wir durch die Gassen und beobachten das Treiben. Bunte, leuchtende Stoffe sind gerade der Renner, kein Wunder denn das Neujahrsfest steht an.

 

Persepolis- Eine Stadt mit einem riesigen Palastgelände von rund 125.000 qm. Gegründet 518 v. Chr. von Darius dem Großen mit der einzigen Aufgabe: Bei zeremoniellen Anlässen, Quartier für die achämenidischen Herrscher zu sein. Nur rund 200 Jahre später wurde die Stadt, von Alexander dem Großen, wieder zerstört und nie wieder aufgebaut.

 

Busher- Zeit zum Ausspannen. Sonne und Meer lassen die Fahrerei vergessen. Palmen wachsen wie Unkraut am Strand und der Fischreichtum ernährt nicht nur die Einheimischen. Die Tage vergehen und unsere Besucherzahlen steigen stetig an. Vom Ziegenhirten bis zum Bankangestellten, alle kommen sie, wollen uns kennen lernen, uns Ihr Land zeigen.

 

Nun stehen wir wieder in Tabriz, unserem Ausgangspunkt auf der Entdeckungsreise durch den Iran. Wir sind über 6.000 km gefahren und doch haben wir noch lange nicht alles gesehen. Eines jedoch ist klar: Noch nie haben wir so viele nette und hilfsbereite Menschen getroffen wie hier im Iran.

Ostanatolien

Viel zu schnell ist unser Skiurlaub vorbei und wir rollen weiter nach Osten, der iranischen Grenze entgegen. Vor uns liegt eine riesige Hochebene, die wir durchqueren müssen. Der strahlend blaue Himmel und dazu die, in weiße Watte getauchte, Gebirgslandschaft um uns herum sorgen für kurze Weile auf dem ansonsten monoton geradlinigen Highway.

 

Gegen Abend sehen wir eine Wasserquelle und halten zum Auffüllen unserer Tanks an. Eigentlich nichts Besonderes in der Türkei, denn überall gibt es hier solch öffentliche Wasserquellen. Allerdings sind, hier oben, die meisten Quellen, wir sind immerhin auf rund 2.000 Meter ü.N., eingefroren. Ein rüstiger Rentner freut sich über Besuch und lädt uns zum Tee ein. Wir sitzen in seinem „Büro“, einem alten Container, der an diversen Stellen notdürftig geflickt ist, so dass es zumindest von oben trocken und weitgehend winddicht ist. Der Böllerofen in der Mitte des Raumes, wir reden hier von vielleicht 2,5 auf 3 Meter, strahlt nicht nur eine angenehme Wärme aus, er dient auch gleichzeitig als Kochfeld für den Tee. Zwar läuft die Kommunikation nicht ganz so rund: Er kann kein Englisch und unser Türkisch ist noch ausbaufähig, so finden wir dennoch heraus, dass er früher LKW- Fahrer und viel in Europa unterwegs war. Am liebsten jedoch in Deutschland. Jetzt ist er wieder in seiner Heimat und verdient sich sein Geld mit dem Waschen von Autos hier an der Quelle.

 

Die Zeit drängt, denn wir wollen vor dem Dunkel werden, einen Stellplatz für die Nacht, gefunden haben. Am Rand des nächsten Dorfes werden wir, gerade noch rechtzeitig fündig- wie immer mit 5- Sterne Aussicht. Weniger schön ist die Aussicht, die uns das Außenthermometer liefert: -14°C und dass bereits jetzt, am frühen Abend. Besonders beeindruckt bin ich davon nicht, denn unser Aufbau, ein ISO- Seecontainer ist für hohe Temperaturdifferenzen ausgelegt, wenn auch in seinem früheren Leben es wohl eher im Inneren kalt und draußen warm war. Die Fußbodenheizung hat den Boden bereits angenehm angewärmt und wenn alle Stricke reißen, dann können wir immer noch die zweite Heizung einschalten. Um 22:30Uhr steigen wir bei -20°C in die Koje und schlummern ein.

 

Am nächsten Morgen, die Sonne steht schon wieder am Himmel, staunen wir nicht schlecht: -23°C sagt der Außenfühler untereres Thermometers. Dies ist mit Abstand die kälteste Nacht, die wir bisher hatten.

 

Beim Frühstück frage ich mich noch, welche Temperaturen unser Diesel wohl verträgt, ehe er ausflockt/ gefriert? Zumal wir noch immer den günstigen Diesel aus der Ukraine im Tank haben. In Trabzon, bei -7°C hatten wir keine Probleme, also wird es jetzt auch klappen. Der Rest des Morgens ist Routine: Nach dem Frühstück macht Elli im Haus klar Schiff und ich kümmere mich um den Truck. So können wir schnell zu unserer letzten Etappe, vor der iranischen Grenze, zum Ishak -Pasa Palast, starten.

 

Gut gelaunt drehe ich den Schlüssel herum und drücke den Startknopf. Der Motor dreht und dreht und dreht…. nur anspringen mag er nicht………. Gut, dass das deutsche Militär auch hierfür eine Lösung hat: Eine 21KW Warmluftheizung soll den Motor erst einmal auf Temperatur bringen, dann wird er auch anspringen, da bin ich mir sicher. Noch immer gut gelaunt, wenn auch mit eiskalten Händen, schließe ich die Heizung an und starte. Außer einem Qualmwölkchen gibt die Heizung jedoch nicht viel Wärme ab. Ein Blick in den Tank verrät mir nun endgültig: Der Diesel ist zäh wie Honig.

 

OK, wir haben ein Dach über dem Kopf und unsere Standheizungen funktionieren tadellos, also kein Grund für Panik. Zum Starten des Motors muss es zunächst einmal wärmer werden, zumindest der Motor, oder alternativ brauchen wir frischen Diesel. Auf Diesel schleppen habe ich keine Lust, zumal wir mit 5 Litern bei unserer NaschKATze erst gar nicht anfangen brauchen, also: Motor erwärmen! Die Sonne scheint, prima: Ich mache die Luken zum Motor auf und lass die Sonne direkt auf den riesigen Stahlklotz strahlen.

Unser Plan geht auf: Nach rund zwei Stunden springt der Motor an. Es geht einfach nichts über so einen robusten Deutzmotor. Der bekommt selbst diese zähflüssige Melasse noch angesaugt. Zugegeben, wir rollen die ersten 4- 500 Meter im Schritttempo, mehr geht nicht, aber dass ist jetzt alles nur eine Frage der Zeit. Etwa 1000 Meter weiter liegt eine KFZ- Werkstadt direkt an der Straße und mehrere LKW’s stehen davor. Perfekt, denke ich und frage nach, ob es hier irgendwo Diesel gibt. Der ölverschmierte Mechaniker grinst mich an und führt mich in die hinterste Ecke der Werkstatt, wo er zwei Kanister, a 20 Liter, mit wohl temperiertem Sprit hervor zieht. Über den Preis werden wir uns sofort einig, für türkische Verhältnisse ein absolutes Schnäppchen. Wir sind da wohl zufällig beim Umschlagplatz für iranischen Diesel abgestiegen.

 

Alles in allem also ein gelungener Morgen und wir rauschen nun, mit schnurrender Heizung, weiter über den Highway.

Wir brauchen mal Urlaub

Um die ganzen Eindrücke, die wir bisher gesammelt haben, zu verdauen, beschließen wir erst einmal Urlaub zu machen. Über Silvester die Füße ein wenig hoch zu legen ist gerade zu ideal geeignet. Unsere Spürnase führt uns nach Erzurum, genauer gesagt nach Palandöken, eines der schönsten Skigebiete in der Türkei. Schnell ist klar, das 5 Sterne Renaissance Hotel soll es sein und wir beziehen unser Quartier, direkt neben der Skipiste mit einem Ausblick über die riesige, in Puderzucker getauchte, Hochebene und der Stadt Erzurum zu unseren Füßen. Kurz um, einem Ausblick a la 5 Sterne.

 

Inzwischen ist es dunkel geworden und ein satter Beat weht zu uns herüber- an der Apres- Skibar des Nachbarhotels wird kräftig gefeiert. Dass können wir uns nicht entgehen lassen, befinden wir uns doch gerade im Urlaub. Es sind stylische Heizstrahler auf der Hotelterrasse um die Bar herum angeordnet, alles schön mit Lichtpunkten in Szene gesetzt und ein leckerer Duft von gegrilltem Fleisch liegt in der Luft. Ein Blick in die Karte verrät: Es gibt hier nicht nur Alkohol, nein es gibt sogar die leckersten Cocktails….. zu saftigen Preisen.

Während unsere Blicke noch umherschweifen, werden wir in perfektem Englisch, von einem Hotelgast, angesprochen. Er bietet uns seinen Skipass, der noch den Abend gültig ist an, denn er müsse nun nach Hause fahren. Da wir jedoch noch keine Ski haben bedanken wir uns höflich und lehnen ab. Kurz darauf sehen wir, dass der Skiverleih neben der, durch Flutlicht, taghellen Skipiste noch offen gehabt hätte- Pech.

 

Elli, etwas unsicher auf den Ski, bekommt Privatstunden von mir. So macht sie riesige Fortschritte und arbeitet sich in nur einem Tag vom Babyhügel zur blauen Piste empor. Zwischen durch hatte sie meine Beschreibung: Im Flug um die Kurven zu fahren sei wie zu „Käfern“ doch etwas zu wörtlich genommen und lag, einem Käfer gleich, auf dem Rücken, alle viere von sich gestreckt. Doch so kleine „Missverständnisse“ kommen ja mal vor.

 

Es ist einfach traumhaft bei strahlend blauem Himmel Ski zu fahren….

 

 

Happy new year

 

Möge Euch das neue Jahr liebe und Freude bringen.

Dass ist unser Wunsch für Euch.

 

Elli & Karsten

Sumela, das Kloster nahe dem Himmel

Ein strahlend blauer Himmel und Sonnenstrahlen, die im Schnee glitzern, erwarten uns am nächsten Morgen. Perfekt um zum Kloster Sumela empor zu steigen.

Das Kloster gleicht einem Adlernest in der Nische einer steil abfallenden Felswand auf rund 1200 m Höhe. Auf dem Weg dort hin, wandern wir durch eine wildromantische, schneebedeckte Bergwelt. Dichter Nadelwald umgibt uns, der sich später etwas auflöst und uns freien Blick auf die schroffe Bergwelt gibt. Immer wieder kommen wir an einem wilden Bergbach vorbei, dessen Rauschen das ganze Tal erfüllt. Über uns die thronende Fassade des Klosters, der wir uns langsam nähern. Wir brauchen eine kleine Pause, um zu verschnaufen. Der Schnee und auch die kalte Luft machen den Aufstieg zu einer Herausforderung, Schließlich stoßen wir auf eine lange Steintreppe: Der Eingang zum Kloster ist erreicht!

So erhaben, wie es sich von außen an den Fels schmiegt, so Facettenreich gestaltet es sich von innen. Deutlich sind die einzelnen Bauabschnitte zu erkennen.

Der älteste Teil, aus dem Jahr 385 n. Chr., bildet der Bereich um die Grottenkirche. Die Wände sind, von innen und außen, über und über mit farbenprächtigen Fresken bedeckt. Die Liebe zu Gott, wie sie die Bilder ausdrücken, scheint mir noch heute zum Greifen nah. Ich halte inne, staune und versuche mir vorzustellen, wie sich das Leben hier oben wohl abgespielt haben mag?

Das Kloster ist während seines langen Lebens, bis 1923, mehrmals abgebrannt. Anschließend wieder aufgebaut und mehrfach erweitert worden. Wir zählen, im vorderen Bereich bis zu 5 Stockwerke, die hier erbaut wurden. Es gab, neben den Schlafräumen, der Kirche, Bibliothek, Speisesaal, Lagerräume im „Keller“, Brunnen auch eine Bäckerei und Gästeräume. Viel Platz also auf engem Raum.

Schade nur, dass sehr viel zerstört wurde, was in liebevoller Kleinarbeit nun von der Türkei wieder rekonstruiert wird.

Bei aller Staunerei verstreicht die Zeit wie im Fluge und wir wollen den Abstieg antreten, ehe es dunkel wird. Ein letztes mal blicken wir zurück, geniessen den atemberaubenden Anblick des Klosters, ehe uns das Tal wieder hat.

Frohe Weihnachten

Dass Friede in unser aller Herzen wohne und wir diesen in die Welt hinaus tragen!

Yurtta Sulh, Cihanda Sulh

Mit diesen Worten, wie wir sie in Sinop gefunden haben, wünschen wir Euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest!

Safranbolu – Mittelalter auf Türkisch

Es regnet bereits die ganze Nacht, wie aus Kübeln und es will einfach nicht aufhören.

Die Piste direkt an der Küste gleicht einem Schlammbecken. Nilpferde hätten sicher Ihre Freude daran…. wir weniger und nehmen stattdessen eine kleine romantische Asphaltstraße durch die Berge, gerade breit genug für uns und unsere KATze. Die Fahrt führt an idyllisch gelegenen Bergdörfern vorbei, ehe die Straße langsam wieder zu einer voll ausgebauten „Rennstrecke“ wird. Inzwischen hat es sich wieder aufgeklart und sogar die Sonne lässt sich am Himmel blicken. Einzig, die Schneebedeckten Berge am Horizont, halten unsere Hochstimmung im Zaum. Dass wir noch auf Schnee und bitter kalte Nächte stoßen werden ist klar- doch sollte dies etwa jetzt schon so weit sein?

 

Safranbolu, unser heutiges Ziel, liegt jenseits einer Hochebene und so kommen wir mit einem „blauen Auge“ davon. Am Abend beziehen wir direkt oberhalb des historischen Stadtkerns, auf einem Plateau, unser Lager.

 

Am nächsten Morgen ziehen wir neugierig los, denn Safranbolu hat einiges zu bieten, so der Reiseführer. Die Gegend ist zerklüftet und obwohl wir direkt in die City schauen können müssen wir doch 20 Minuten laufen. Vorbei an der Feuerwehr geht es tiefer in den Stadtkern. Über enge Gassen mit Kopfsteinpflaster, die Häuser allesamt in der Fachwerkskunst erbaut und weitgehend restauriert. Es ist wie eine Zeitreise zurück ins Mittelalter. Und tatsächlich stammen viele dieser Villen noch aus dem 18. Jahrhundert, der Blütezeit des Ortes. Wobei es wortwörtlich um die Blüte ging. So sollen noch im letzten Jahrhundert riesige Safranfelder den Ort umgeben haben.

Im Zentrum steht ein Hamam, dessen Mauern wohl im 3. Jh. v. Christus erbaut sein sollen. Welche Geschichten wohl, über die Jahre, hier erzählt wurden? Drum herum breitet sich der Basar in einem Geflecht von kleinen verwinkelten Gassen aus. Neben Nüssen, getrocknetem Obst, Backlava und natürlich Safran gibt es auch traditionelles zu bestaunen: Der Schuster, der in alter Handwerkskunst Lederschuhe fertigt. Der Weber, am Webstuhl, fertigt Kleidung an, ein Glasbläser bietet sein Handwerk dar und auch der Schmied, der mit Feuer und Hammer gerade dabei ist, Hufeisen zu fertigen. Alles live und zum Anfassen. Mich zieht es allerdings zum Berber und bekomme dort einen erstklassischen Haarschnitt verpasst. Inzwischen zieht ein herrlicher Duft durch die Gassen. Ob es nun die Kichererbsen, das Köfke, der Kebap, die Teiggerichte sind? Alles zusammen ist einfach unwiderstehlich! Erst am Abend wird es in den Gassen wieder etwas ruhiger, bis auch wir den Heimweg antreten.

Abschied vom Mamarameer

Ein Indianer sitzt am Rande des Bahnhofs und schaut gedankenverloren vor sich hin. Der Bahnbeamte, der Ihn vor einiger Zeit aus einem Zug aussteigen sah, geht zu dem Indianer hin und fragt, ob er denn helfen könne. Darauf hin blickt der Indianer auf und antwortet: Vielen Dank, nach der schnellen Fahrt mit der Eisenbahn, warte ich, bis auch mein Geist hier angekommen ist.

 

So brauchen auch wir unsere Zeit um hier in der Türkei anzukommen. Zunehmend verstehen wir einzelne Wortfetzen und unser Drang, die wenigen russischen Wörter die wir gelernt haben zu verwenden, legt sich langsam. Wie ich mich in nur wenigen Wochen an eine Sprache gewöhnen kann, die ich eigentlich gar nicht kann und vor wenigen Monaten noch nicht einmal wußte, dass ich sie je mal brauchen könnte…..

 

Nach den zwei Tagen im Naturschutzgebiet am Mamarameer geht es nun weiter. Zunächst die Piste an der Steilküste entlang nach Saköy, eine landschaftlich wunderschöne Gegend, um uns anschließend wieder dem schwarzen Meer zu zuwenden. Wir überqueren den Bosporus, lassen Istanbul links liegen, denn hier wollen wir uns auf dem Rückweg einige Tage Zeit nehmen.

Wir verlassen den europäischen Kontinent

Autobahn am Bosporus

 

Dies ist inzwischen mein dritter Türkei- Besuch und ich muss an dieser Stelle mal sagen: Ich liebe die Türkei! Gerade wenn man, so wie wir, aus dem Ostblock kommt, ist es fast schon wie ein Schlaraffenland. Überall fließt köstliches (Quell-) Wasser aus den Brunnen. Und Brunnen gibt es quasi an jeder Ecke. Noch schöner jedoch ist, dass wir überall auf freundliche, nette Menschen treffen. Ob es ein freundliches „Merhaba„ (Guten Tag) ist, man spontan zum Tee eingeladen wird, ein Winken am Straßenrand oder einfach so auf der Straße einen Apfel geschenkt bekommt- Wie reich ein solches Land an herzlichen Menschen ist!

 

Es ist 15:00 Uhr durch und uns übermannt der Hunger auf dem Weg nach Sile, unserem ersten Ziel am schwarzen Meer. Wir halten an einem der vielen Gaststätten entlang der Straße an. Elli ist schon ganz heiß auf einen Döner Kebab. Eine Speisekarte gibt es hier natürlich nicht, so bedeuten wir, mit der International gültigen Körpersprache „Hände & Füße“ dass wir etwas zu Essen wünschen. Unsere Gastwirtin ordert sofort Verstärkung und unser Mahl wird mit vereinten Kräften zubereitet, während wir auf dem Sofa, am Kamin, zunächst einmal einen guten türkischen Tee genießen. Zu Essen gibt es anschließend einen Tomaten- Gurkensalat, diverse Marmeladen, Rührei, Oliven, verschiedene Käsesorten, wie auch in Olivenöl angeschmolzenen Käse und dazu ganz frisch gebackenes Weißbrot. So lässt es sich aushalten.

 

Der Strand von Sile

Gut gestärkt geht es weiter. Es dämmert bereits als wir in Sile ankommen. Wir finden hier eine wunderschöne Bucht und viele Sandstrände vor. Im Sommer ist dies sicherlich ein Badeparadies pur. Nun, abseits der Saison, bleibt es ein kleiner verträumter Ort mit vielen (Fisch-) Restaurants, einem kleinen Basar und den wenigen Einwohnern, die dieser Ort hat. Unser Quartier wird für diese Nacht ein Pinienwald mit direktem Zugang zum Meer.