40 Tage Iran

Aus der Stille schrecke ich hoch. Der Muezzin ruft gerade zum Gebet. Der Muezzin? Moment, verschlafen reibe ich mir die Augen und schaue mich um, doch es ist zwecklos. Wo – bin – ich? Was ist passiert?

Gerade noch stand ich auf dem Gipfel des Ararat. Ich war von vollkommener Stille eingehüllt. Nur unterbrochen von dem zischen der eiskalten Luft, die rhythmisch von meiner Lunge eingesaugt wurde. Es war so ruhig- so friedlich- so leicht….

 

Ich richte mich auf, finde mich im Bett unserer KATze wieder und mein Atem zischt leicht, als ich die frische Morgenluft einatme. Der Norden Irans hat uns wieder und mit ihm die Kälte. Gedankenfetzen schießen mir durch den Kopf: Dass war es also- 40 Tage Iran:

 

Hello Karsten, Welcome to Iran! You are one hour to late“ schmettert mir ein älterer Herr mit verwusseltem weißen Haar entgegen. Es ist Hossain, der uns an er Türkisch- Iranischen Grenze bei der Einreise hilft, vor allem beim besorgen des Carnet, was wir für den Iran benötigen.

 

Autos fahren wie sie wollen: Mal rechts, mal links. Geblinkt wird grundsätzlich nicht, dafür wird von der Hupe rege Gebrauch gemacht. Menschen laufen kreuz und quer zwischen den fahrenden Autos hindurch. All dies ein heilloses Chaos, dass keinen klaren Gesetzmäßigkeiten folgt- wie auch immer, mir macht‘ s Spass!

 

Die Millionenmetropole Teheran, wo das Leben niemals schläft. Taxifahrer müssen nach dem Weg fragen, denn wie um Himmels Willen, soll sich ein Mensch denn all die Straßennamen merken können?

 

Riesige Wüstenregionen, in denen außer Staub und Stein vor allem eines anzutreffen ist: Nichts. Es nähert sich eine Staubwolke am Horizont und später gesellt sich ein quietschen und knarren, gepaart mit dem Motorengeräusch des blauen Lieferwagens, dazu. Ein letztes mal verschwindet er in einer Mulde zwischen Geröllfeldern ehe sein Motor verstummt. Näher kann der Fahrer sein Gefährt nicht an uns heran steuern und so laufen sie zu zweit die letzten 500 Meter zu uns herüber, während der Dritte am Fahrzeug bleibt um es, hier in der Einöde, zu bewachen. Als sich, später dann, dass blaue Vehikel wieder entfernt, sind wir um eine Einladung zum Essen reicher und die Ruhe setzt sich in der Ebene fort.

 

Wie Inseln tauchen Städte am Horizont auf. Die Stille weicht einem Ohrenbetäubendem Lärm, gemischt aus hupenden Autos und Motorengeräuschen. Die Stadt nimmt uns in sich auf. Mann schwimmt mit, im Strom des Verkehrs, in den Menschenmassen die sich durch die engen, unzähligen Gassen des Basars zwängen. Freundliche, neugierige Gesichter ziehen an uns vorbei. Hier und da ein „Welcome to Iran. May I help you?“

 

Jede Stadt erzählt Geschichten von tausenden von Jahren:

Qom mit seinem Heiligtum, dem Grab von Fatimeh Masumeh, der Tochter des 7. geistigen Führers (Imam). Sie ist auf Reisen erkrankt und hier gestorben. Die richtige Abstammung zu haben kann sich also auszahlen, ist sie doch, neben Mashhad, nun der wichtigste Pilgerort im Iran.

 

Kashan- Einst eine wichtige Stadt entlang der Seidenstrasse. Eingeschlossen von unscheinbaren Lehmwänden stehen sie noch heute da: Die palastartigen Häuser der Kaufmannsleute von einst.

 

 

Tapas- eine Wüstenoase mit ihrer wunderschönen Gartenanlage umgeben von Geröll und Sand. Selbst im tiefen Winter ist es hier noch angenehm warm.

 

 

 

Isfahan- Die Hauptstadt des Tourismus, und dies nicht ohne Grund: Der Imam-Platz beeindruckt jedermann gleichermaßen und lädt zum verweilen ein. Viele einheimische sitzen auf den parkähnlichen Grünflächen und machen Picknick.

 

 

Shiraz- Die Stadt der Dichter und des Bazars. Stundenlang laufen wir durch die Gassen und beobachten das Treiben. Bunte, leuchtende Stoffe sind gerade der Renner, kein Wunder denn das Neujahrsfest steht an.

 

Persepolis- Eine Stadt mit einem riesigen Palastgelände von rund 125.000 qm. Gegründet 518 v. Chr. von Darius dem Großen mit der einzigen Aufgabe: Bei zeremoniellen Anlässen, Quartier für die achämenidischen Herrscher zu sein. Nur rund 200 Jahre später wurde die Stadt, von Alexander dem Großen, wieder zerstört und nie wieder aufgebaut.

 

Busher- Zeit zum Ausspannen. Sonne und Meer lassen die Fahrerei vergessen. Palmen wachsen wie Unkraut am Strand und der Fischreichtum ernährt nicht nur die Einheimischen. Die Tage vergehen und unsere Besucherzahlen steigen stetig an. Vom Ziegenhirten bis zum Bankangestellten, alle kommen sie, wollen uns kennen lernen, uns Ihr Land zeigen.

 

Nun stehen wir wieder in Tabriz, unserem Ausgangspunkt auf der Entdeckungsreise durch den Iran. Wir sind über 6.000 km gefahren und doch haben wir noch lange nicht alles gesehen. Eines jedoch ist klar: Noch nie haben wir so viele nette und hilfsbereite Menschen getroffen wie hier im Iran.

1 comment for “40 Tage Iran

  1. Kiki
    9. März 2013 at 06:50

    Das hast Du sehr schön geschrieben, mein Lieber!!!!!!

    Freu mich, die ganzen Geschichten von Dir „live“ erzählt zu bekommen!!!!!

    Bald isses ja soweit!!!!! *freu

Schreibe einen Kommentar zu Kiki Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.